Hamam – das Badezimmer der Marokkaner


Hamam das „Badezimmer der Marokkaner“

Das marokkanische Hamam-Ritual ist nicht so differenziert wie das türkische, aber eine Erfahrung wert, die man sich dennoch nicht entgehen lassen sollte.

Es gibt zwei Arten von Hamam: die Touristen Hamams, bei denen man mit ca. 35 € für einen ca. 1-stündigen Besuch rechnen muss und die „Nachbarschaftshamams“, die von den Einheimischen frequentiert werden, die zuweilen noch kein Badezimmer im eigenen Haus haben. Hier beträgt der Eintritt ca 1 €, wobei man hier schon wissen sollte wie alles abläuft und die eigenen Utensilien mitbringen muss.

Die Hamams sind immer streng nach Geschlechtern getrennt. Große Hamams haben komplett getrennte Eingänge und Bereiche für Frauen und Männer. Kleinere Hamams mit nur einem Hamambereich sind meist tagsüber für Frauen geöffnet und von Abend bis spät nachts für die Männer.

Ein guter Hamam besitzt vier Bereiche: den Empfangs- und Umkleidebereich und drei unterschiedlich heiße Räume, in denen sich alles ausschließlich auf dem Boden abspielt, der durch ein Hypokaustensystem mehr oder minder stark beheizt ist. Der heißeste Raum ist immer der letzte unter dem sich die Feuerstelle befindet, die von aussen (immer mit Holz) beschickt wird.

Verhalten im Hamam:

Diskretion im Umkleide – und Hamambereich ist vor allem bei den Männern oberstes Gebot! Niemals darf man sich ganz nackt zeigen. Man behält stets die Unterhose oder Badehose an und wickelt ich beim Umziehen ein Handtuch um den Bauch! Erstaunlicherweise geht es bei den Frauen viel lockerer zu. Sie behalten allenfalls eine Slip an aber sind zumeist ganz nackt. Für Touristinnen ist es ein ganz besonders Erlebnis, in einen echten Nahbarschaftshamam zu gehen, denn hier kommt „Frau“ mit Frauen zusammen, was sonst in Marokko so kaum möglich ist. Allerdings sprechen die Frauen meist nicht französisch oder englisch und die Kommunikation läuft meist nonverbal. Am besten ist es wenn man mit einer Bekannten hingeht. Gerne organisieren wir von unserem Riad aus eine Marokkanerin, die unsere Frauen bei dem Ritual begleiten. Bei Frauen dauert es meist zwei Stunden, Männer schaffen es in einer Stunde.

Was man mitnehmen muß:

Handtuch, eine Plastik-Schöpfkelle (es reicht auch ein Gefäß das man sich aus dem Unterteil einer großen Plastikwasserflasche ausschneiden kann), ein Päckchen Savon Noir (Oliven-Seifenpaste, die man überall für einen Dirham in den Souks bekommt. Sie sieht aus wie Wagenschmiere), Badelatschen, einen kratzigen Rubbelhandschuh den man für maximal 10 Dirham in den meisten Tante-Emma Läden (Boutique) um die Ecke erhält und das eigene Dusch- und Haarshampoo. Eine Tüte oder Rucksack für die Kleidung.

Ablauf des Hamam-Rituals:

Man betritt den Eingangsbereich und zieht sich (dezent!) bis auf die Unterhose aus, verstaut seine Kleidung im mitgebrachten Sack und gibt diesem dem Hamam-Wächter, der ihn in einem Kästchen verstaut, das in seltenen Fällen sogar abschließbar ist. Es wäre sehr ungewöhnlich wenn etwas geklaut würde, dennoch nehme ich nich Wertsachen oder Handy mit. Das Handtuch kann man vor dem Eingang der Feuchträume aufhängen. Hier befindet sich auch meist eine Toilette. Ausgerüstet mit zwei großen Eimern, die vom Hamam gestellt werden, dem Rubbelhandschuh, der Olivenseife, der eigenen Schöpfkelle und dem eigenen Shampoo geht man dann zum letzten, heißesten Raum, füllt die Eimer mit möglichst heißem Wasser (Man schöpft das heiße Wasser meist aus einem Becken und fügt kaltes hinzu oder mischt sich das Wasser aus Wasserhähnen). Nun sucht man sich einen freien Platz am Boden und reinigt ihn mit einigen Ladungen Wasser das man mit der Schöpfkelle aus seinem Eimer entnimmt. Nun nimmt man am Boden platz und übergießt sich mit heißem Wasser und beginnt zu Schwitzen. Nach einigen Minuten reibt man den ganzen Körper mit der Olivenpaste ein (Achtung nicht in die Augen bekommen – brennt stark!!!) und lässt die Seife einwirken. Nach einiger Zeit (wenn es zu heiß wird kann man auch in den mittleren Raum wechseln) schrubbt man den gesamten Körper (bis aufs Gesicht) mit dem kratzigen Handschuh kräftig ab, wieder und wieder! Meist ist man mit einem Freund unterwegs oder man findet immer jemand, der einem den Rücken schrubbt. Nach dieser „Gommage“ spült man die Seife sorgfältig – immer mit der Schöpfkelle – vom Körper, ruht sich etwas aus. Man kann sich auch auf den warmen Boden legen. Gegen Ende wäscht man sich Haare und Körper mit dem eigenen Shampoo und rasiert sich – eventuell sogar naß. Beim Waschen achte man sorgfältig darauf, dass der Intimbereich immer von der Hose bedeckt bleibt. Die Eimer kann man sich immer wieder auffüllen. Dennoch: Wasser ist kostbar und man sollte es nicht zu großzügig vergeuden, wenngleich die Marokkaner häufig sehr großzügig damit umgehen. Ich verbringe gern die letzen Minuten im kühlsten Raum, nahe dem Ausgang und wenn ich zu überhitzt bin schütte ich mir kaltes Wasser über den Körper. Nach Verlassen des Nassbereichs trocknet man sich ab, holt sich den Kleiderbeutel und zieht sich – immer unter Bedeckung des Intimbereichs – an und bezahlt am Ausgang. Bei einem Eintrittspreis von 10-12 Dirham sollte man als Tourist dem Hamamwärter 5 Dirham Trinkgeld geben.

Wir haben in unserer Nachbarschaft einen ausgezeichneten Hamam für Männer, der sich für Touristen, bzw. Hamamneulinge etwas Sinnvolles hat einfallen lassen: für 100 Dirham bekommt man ein großes Handtuch und das gesamte Hamam- Equipment inklusive Olivenseife und die „Gommage“ mit der Olivenseife und Waschung mit dem eigenen Shampoo. Für einen Aufpreis gibts sogar noch eine Massage. Im Vergleich zu den Touristenhamams ist das sehr günstig und bietet den Vorteil, dass man einen echten Einheimischenhamam erlebt. Dem Masseur sollte man dann noch ein Trinkgeld von ca. 20 Dirham zukommen lassen. Gerne können wir das organisieren, ebenso wie den Hamambesuch für Frauen. Der Frauenhamam in unserer direkten Nachbarschaft ist jedoch einer der archaischsten in Marrakesch und löst bei unseren Spa- gewohnten Gästeinnen unterschiedlichste Reaktionen aus von „Das Tollste, was ich in Marokko erlebt habe“ bis hin zu „Das war mir doch etwas zu Basic.“ Für die Frauen mit gehobenen Wellness-Ansprüchen können wir auch einen individuellen Hamambesuch in einem nahegelegenen Traumriad für ca 45 € organisieren.

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